BayWa Aktie: 1,7-Milliarden-Verkauf der Energietochter platzt
Der geplante Milliardenverkauf der Energietochter scheitert an neuen US-Gesetzen. BayWa sucht nun Alternativen zur Sanierung.

Kurz zusammengefasst
- US-Gesetz stoppt Förderung erneuerbarer Energien
- Milliardendeal für Energietochter geplatzt
- Notverkauf der Obsttochter T&G stockt
- Banken fordern Machtwechsel im Konzern
Der Münchner Agrarkonzern verliert seinen wichtigsten Rettungsanker. Neue US-Gesetze streichen die Förderung für erneuerbare Energien. Das trifft die Sanierung von BayWa ins Mark. Der geplante Milliardenverkauf der Energietochter fällt aus.
Energietochter verliert an Wert
Die USA waren zuletzt der wichtigste Markt für BayWa r.e. Dort verkaufte das Unternehmen im Jahr 2024 rund 535 Megawatt Leistung. Der neue „One Big Beautiful Bill Act“ streicht nun wichtige Steueranreize. Die Folge: BayWa senkt das Gewinnziel für die Tochtergesellschaft drastisch.
Für das Jahr 2030 plant das Management nur noch mit 150 Millionen Euro operativem Ergebnis. Zuvor standen 230 Millionen Euro im Sanierungsgutachten. Damit platzt der Kernbaustein der Rettung.
BayWa wollte eigentlich die knappe Mehrheit der Energietochter verkaufen. Das sollte 1,7 Milliarden Euro einbringen. Dieser Plan ist nun vom Tisch.
Notverkauf stockt
Als Ersatz treibt der Konzern den Verkauf der neuseeländischen Obsttochter T&G Global voran. Das Unternehmen kehrte 2024 mit 16 Millionen US-Dollar Nettogewinn in die Gewinnzone zurück. Allerdings blockiert die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group den Prozess derzeit.
Dabei drängt die Zeit. Bis Herbst 2026 müssen drei Bedingungen erfüllt sein. Der T&G-Verkauf muss stehen. Die Banken müssen ihre Stillhaltevereinbarung verlängern. Und der Jahresabschluss für 2025 muss vorliegen. Scheitert ein Baustein, bricht die rechtliche Grundlage des Umbaus weg.
Banken fordern Machtwechsel
Hinter den Kulissen tobt ein harter Machtkampf. Die Gläubigerbanken wollen ein Treuhand-Modell durchsetzen. Das würde den Einfluss der genossenschaftlichen Großaktionäre massiv beschneiden.
Diese bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken zögern aktuell mit neuen Finanzspritzen. Branchenexperten halten eine Rettung ohne massiven Schuldenschnitt für unrealistisch.
Razzien und Klagen
Auch juristisch wächst der Druck. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Im Januar 2026 durchsuchten Ermittler die Räume. Es geht um den Verdacht der Untreue und falsche Bilanzen. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
Auslöser war eine Rüge der Finanzaufsicht BaFin. BayWa hatte im Lagebericht 2023 wesentliche Risiken zu einem Milliardenkredit verschwiegen. Auch Gefahren rund um eine Anleihe fehlten. Nun bereiten Anwälte Schadensersatzklagen für Aktionäre vor.
Im Fokus steht auch die Prüfungsgesellschaft PwC. Sie hatte für 2023 ein uneingeschränktes Testat erteilt. Die Aufsicht Apas prüft den Fall. BayWa sucht für 2026 einen neuen Prüfer.
Warten auf Zahlen
Verlässliche Fundamentaldaten fehlen Anlegern weiterhin. Der Konzern strich die Prognose für 2026 komplett. Das operative Gewinnziel für 2027 sinkt auf rund 140 Millionen Euro.
An der Börse markierte die Aktie Ende Mai mit 11,50 Euro ein neues Dekadentief. Zuletzt kletterte der Kurs leicht über die 20-Tage-Linie. Klarheit bringt erst das vierte Quartal 2026. Dann will BayWa den testierten Jahresabschluss für das Vorjahr vorlegen.
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